DOSB - Olympiamannschaft

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Geschichtsstunde

Frank Busemann - Silber im Zehnkampf 1996 in Atlanta

In unserer Geschichtsstunde blicken wir wöchentlich auf einen historischen Moment der deutschen Olympia-Geschichte. Heute: Der Silber-Erfolg von Zehnkämpfer Frank Busemann bei den Olympischen Spielen 1996 in Atlanta.

In diesen Tagen finden im Londoner Olympiastadion die Leichtathletik-Weltmeisterschaften statt. Morgen, am Freitag, werden dann auch die „Könige der Leichtathleten“, die Zehnkämpfer erstmals in Erscheinung treten. Mit dem Weltjahresbesten Rico Freimuth und dem Vierplatzierten aus Rio, Kai Kazmirek, der in der Meldeliste aktuell auf Rang fünf liegt, bestehen berechtigte Hoffnungen auf eine vordere Platzierung. Für uns also allemal Grund genug, noch einmal auf einen herausragenden Zehnkampf-Moment bei den Olympischen Spielen zu Blicken: den Überraschungserfolg von Franz Busemann, 1996 in Atlanta. 

Am 31. Juli und am 01. August 1996 trafen sich damals die Zehnkämpfer im Centennial Olympic Stadium, um aus 40 Athleten den besten Mehrkämpfer zu finden. Aus deutscher Sicht nahmen außer Frank Busemann auch Frank Müller und Dirk-Achim Pajonk teil, die den Top-Favorit und aktuellen Weltmeister Dan O’Brien (USA) jagen wollten. 

Auch damals schon wurde der Zehnkampf mit den Sprints über 100 Meter eröffnet. Chris Huffins (USA), war in 10,47 Sekunden der schnellste Athlet, O’Brien lief 10,50 Sekunden. Eine Zehntelsekunde dahinter kam Frank Busemann ins Ziel, der damit 23 bzw. 30 Punkte Rückstand auf die US-Amerikaner hatte. Doch der Zehnkampf besteht eben nicht nur aus einer Disziplin, doch ein guter Anfang war gemacht. 

Im Weitsprung lies Frank Busemann dann zum ersten Mal aufhorchen. Mit 8,07 Meter erzielte er einen neuen Weitsprungrekord im Rahmen eines olympischen Zehnkampfes. O’Brien fehlte ein halber Meter auf Deutschen, Huffins sogar noch mehr. So kam es, dass Frank Busemann nach der zweiten Disziplin mit 2031 Punkten an der Spitze des Feldes lag. 104 Punkte dahinter folgte auf Rang drei Dan O’Brien.

In der dritten Disziplin, beim Kugelstoßen, verlor Busemann dann deutlich an Boden. 13,60 brachten ihm nur 704 Punkte, während der US-Amerikaner mit 15,66 Meter 830 Punkte sammelte. O’Brien (2757 Punkte) übernahm die Führung. Busemann viel mit 2735 Punkten auf den vierten Rang zurück.

Auch im Hochsprung konnte sich Frank Busemann dem Amerikaner geschlagen geben. 2,04 Meter gegen 2,07 Meter, das machte 28 Punkte Unterschied. Am höchsten sprang übrigens der der Lette Rojs Pizik mit 2,16 Meter. Aber auch der Usbeke Ramil G’aniyev überzeugte, der nach 2,13 Meter in der Gesamtwertung auf Busemann aufschließen konnte. Nach vier von zehn Disziplinen führte O’Brien (3625 P.) vor Huffins (3579 P.) und Frank Busemann (3575 P.). 

Am Ende des ersten Wettkampftages stand dann der 400-Meter-Lauf auf dem Programm. Dan O’Brien blieb dabei als Schnellster gemeinsam mit dem Weißrussen Eduard Hämäläinen unter der 47-Sekunden-Marke. Für den Amerikaner stoppte die Zeit nach 46,82 Sekunden, während Frank Busemann in 48,34 Sekunden und mit 72 Punkten weniger ins Ziel lief. So übernachtete der Top-Favorit auf den Olympiasieg mit 4592 Punkten auf dem ersten Rang, Busemann lag mit 4468 Punkten dahinter auf Position zwei. Allerdings trennten die Plätze zwei bis sieben zu diesem Zeitpunkt gerade einmal 57 Punkte. 

Zu Beginn des zweiten Wettkampftages konnte Frank Busemann über die 100-Meter-Hürden zeigen, dass mit ihm auch weiterhin zu rechnen ist. In 13,47 Sekunden stellte er einen weiteren Olympischen Rekord auf. O’Brien kam nach 13,87 Sekunden ins Ziel, wodurch sich Busemanns Rückstand auf 71 Punkte verringerte. 

Mit der nächsten Wurfdisziplin, dem Diskus, wurde der Abstand dann wieder größer. Der Diskus des Deutschen landete bei 45,04 Meter, der des Amerikaners bei 48,87 Meter. Eine herausragende Weite erzielte zudem Eduard Hämäläinen, der mit 49,62 Meter ordentlich Punkte sammelte und sich so mit sechs Zählern mehr an Busemann vorbeischieben konnte. 

Auch im Stabhochspringen konnte Busemann den Abstand auf den Führenden nicht verkürzen. Im Gegenteil, überquerte O’Brien doch 5,00 Meter, während sich der gebürtige Recklinghausener mit 4,80 Meter zufriedengeben musste. Da zudem der dritte US-Amerikaner, Steve Fritz auch noch 5,10 Meter überquerte, musste sich Busemann nun den dritten Platz im Zwischenstand mit Fritz teilen. Mit 7129 Punkten lagen sie 67 Punkte hinter Hämäläinen und mehr als 200 Punkte hinter dem Favoriten. 

Beim Speerwerfen taten sich O’Brien und Busemann nicht fiel. Busemann warf den Speer zunächst in der ersten Gruppe auf 66,86 Meter. Der Speer von O’Brien flog später zwar noch einmal vier Zentimeter weiter, jedoch erhielten beide 842 Punkte für ihre Leistung, sodass sich der Abstand nicht veränderte - es blieb bei 209 Punkten. Hämäläinen verabschiedete sich zu diesem Zeitpunkt aus dem Kampf um die Medaillenränge. Mit 57,66 Meter rutsche er auf den fünften Rang ab. 

Im abschließenden Lauf über 1500 Meter müsste Busemann also gut 30 Sekunden schneller laufen als der US-Amerikaner, wollte er noch Chancen auf die Goldmedaille haben. Und Busemann machte von Beginn an richtig Tempo. In 4:31,41 Minuten erreichte er das Ziel in seinem Lauf als Zweiter hinter dem Tschechen Thomás Dvořák. Dan O’Brien hatte da sichtlich mehr zu kämpfen, doch am Ende reichte seine Zeit von 4:45,89 Minuten, um sich auf dem ersten Platz zu behaupten. Er gewann den Olympischen Zehnkampf mit 8824 Punkten. Frank Busemann wurde mit 8706 Punkten großartiger Zweiter. Dritter wurde der Tscheche Dvořák (8864 P.), der Fritz mit seinem starken Lauf noch vom Bronzerang verdrängen konnte. Die weiteren Deutsche kamen auf die Plätze 14 (Frank Müller, 8253 Punkte) und 20 (Dirk-Achim Pajonk, 8045 Punkte).

Frank Busemann beendete seine Karriere im Alter von 28 Jahren. Nachdem er in Stuttgart 1997 bei der Weltmeisterschaft noch einmal Bronze gewann, sorgte eine chronische Fuß-Blessur schließlich dafür, dass er 2003 seine Karriere beendete. 

Nun liegt es an Rico Freimuth, Kai Kazmirek und Mathias Brugger in London ähnlich großartige Leistungen zu zeigen. Als Ersatzmann wurde übrigens Luca Wieland vom DLV nominiert. Vielleicht kommt ja dann schon allzu bald „der König der Leichtathleten“ auch wieder aus Deutschland. Wir drücken den Jungs die Daumen! 

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