Deutsche Olympiamannschaft

Das „Wohnzimmer“ der Athleten

Universität, Golfclub oder Luxushotel – das Gewand der Einrichtung wechselt, der Kern bleibt: dem deutschen Sport bei Olympia eine Heimat zu geben. Seit 1988 sind Deutsche Häuser die offizielle Anlaufstelle für die nationale olympische Familie, seit 2010 in Vancouver gibt es das Pendant bei den Paralympics. Es ist der Ort, an dem Sport, Wirtschaft, Medien und Politik während der Olympischen Spiele abseits der Stadien zusammenfinden. 

Doch wer hat das Projekt überhaupt erfunden? Jedenfalls nicht die Schweizer. Eher scherzhaft beanspruchte der langjährige NOK-Präsident Walther Tröger (1992-2002) den Titel einst für sich. Die tatsächliche Geburtsstunde des Deutschen Hauses und dessen Schöpfer bleibt aber im Ungewissen. So gab es bereits in den 1970er und 80er-Jahren Quartiere außerhalb des Olympischen Dorfes für die unmittelbare Wettkampfvorbereitung.

Einen strukturellen Rahmen, welcher der heutigen Botschaft des Sports am nächsten kommt, erhielt das Deutsche Haus erstmals zu den Winterspielen 1988 in Calgary. Es folgten einige bewegte Jahre, inklusive verschiedener Konkurrenzobjekte mit gleichem Namen. Ab Ende der 90er rückte die Einrichtung dann stärker in den öffentlichen Fokus – auch dank Medienkooperationen wie etwa mit ARD und ZDF, die das Haus als Sendeplattform nutzten, später sogar für eigens zu diesem Zweck  geschaffene  Formate wie „Harry und Waldi“ oder die Highlight-Sendung mit Johannes B. Kerner und Kathrin Müller-Hohenstein (Turin 2006 und Peking 2008).

Heute ist die Bühne „Deutsches Haus“ reich an Szenenbildern. Am ehesten sind vielen wohl die Impressionen von den Medaillenfeiern der Hockeymannschaften in Erinnerung. Neben ihrer Funktion als Party-Location ist die Einrichtung der Ort der offiziellen DOSB-Pressekonferenz und demnach auch Sammelpunkt für die Medien. Wirtschaftspartner nutzen die Plattform, um Kontakte zu knüpfen und Themenabende zu veranstalten. Verbände laden zu internationalen Empfängen ein. Nicht zuletzt tummeln sich im „Deutschen Haus“ immer mehr bekannte Persönlichkeiten aus verschiedenen Bereichen des öffentlichen Lebens. So waren in London unter anderem Prinz Albert von Monaco und seine Frau Charlène, Boris Becker, Lothar Matthäus, Per Mertesacker, Formel 1-Pilot Nick Heidfeld, Smudo von der Band „Die fantastischen Vier“ sowie Katarina Witt zu Gast. Zu Turin 2006 gehörte sogar Bud Spencer zu den Hausbesuchern.

Auch für politische Repräsentanten stellt das Deutsche Haus eine beliebte Anlaufstelle während der Olympischen und Paralympischen Spiele dar. Neben zahlreichen Bundes- und Landesministern gaben sich bisher u.a. die Bundespräsidenten Richard von Weizsäcker, Horst Köhler und Joachim Gauck die Ehre. 

Zu den Spielen 2012 an der Themse wurde dem Haus erstmals ein Fan Fest angegliedert. Ebenfalls auf dem Gelände des Museum of London Docklands veranstaltet, ergänzte es den traditionellen Bereich um einen öffentlichen Teil. So bekam die Sportbegeisterung nationaler wie internationaler Gäste einen Anlaufpunkt – mit landestypische Spezialitäten, Bühnenprogramm und Live-Musik. Während der 16 Tage der Olympischen Spiele besuchten, inklusive dem Fan Fest, etwa 50.000 Menschen die Einrichtung.

Organisiert wird das Deutsche Haus – im olympischen sowie im paralympischen Bereich –von der Deutschen Sport-Marketing als offizieller Vermarktungsagentur des DOSB.